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HELVERS NACHT - Noc Helvera

von Ingmar Villqist

Österreichische Erstaufführung / Übersetzt von Karolina Bikont

(Rekonstruktion der Seite in Arbeit!)

Ein ungleiches Paar in den Fängen eines tödlichen Regimes.
Von der Vernichtung angeblich minderwertigen Lebens...
Fanatisierte Paramilitärs machen Jagd auf einen Behinderten.
Ein packendes, zum Nachfühlen und Nachdenken anregendes Stück für Schüler und Erwachsene zu Behinderung, Ausgrenzung und Faschismus.

KARLA: Katharina Grabher
HELVER: Manfred Stadlmann

INSZENIERUNG: Andreas Kosek
REGIEASSISTENZ: MAria Steinberger
SCHNEIDEREI: Katja Benrath
LICHTBERATUNG: Dimitri Macek
TONMISCHUNG: Gregor Rasek - www.overdub.a
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Der Standard 2010

PREMIERE
03.05.07 - Aufführungen bis 24. Mai 2007
Das OFF-Theater, 7., Kirchengasse 41

VORARLBERGTOURNEE
06.11.07 - Gemeindekeller Göfis
08.11.07 - Gymnasium Blumenstrasse, Bregenz
10.11.07 - Bezauer Wirtschaftsschulen: Im Anschluss Podiumsdiskussion mit Betroffenen, Angehörigen und PolitikerInnen.
Moderation: Dr. Juliane Alton, IG Kultur Vbg.

08.02.08 - GRG Pichlmayergasse 1, 1100 Wien

ERSTE UNGARNTOURNEE
22.04.08 - Kossuth Lajos Gimnázium, Mosonmagyaróvár
23.04.08 - Westungarische Universität, Szombathely
24.04.08 - Berzsenyi Dániel Evangélikus Gimnázium, Sopron

29.04.08 - HBLA Hollabrunn
05.05.08 - Ella Lingens Gymnasium, 1210 Wien

VERANSTALTUNGSREIHE "ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT"
19.05.08 - Theater Brett, 1060 Wien
20.05.08 - Theater Brett, 1060 Wien

LANGE NACHT DER KIRCHEN 2008
30.05.08 - Zwingli Kirche, 1150 Wien

17.09.08 - VHS-Hietzing, 1130 Wien
05.11.08 - Theater im Kornspeicher, 4600 Wels

ZWEITE UNGARNTOURNEE
17.11.08 - Nagykálló, Gimnázium Nagykálló
18.11.08 - Mezoberény, Sándor Petöfi Kulturzentrum
19.11.08 - Debrecen, Szent József Gimnázium
20.11.08 - Debrecen, Szent József Gimnázium

AKTIONSTAGE POLITISCHE BILDUNG 2009
04.02.09 - Wien, Jugenstiltheater - Otto Wagner Spital
20 04.09 - Eisenstadt, HAK
27.04.09 - Wien, Jugenstiltheater - Otto Wagner Spital
04.05.09 - Wien, Jugenstiltheater - Otto Wagner Spital
05.05.09 - Wien, Jugenstiltheater - Otto Wagner Spital
06.05.09 - Wien, Jugenstiltheater - Otto Wagner Spital
11.05.09 - Eisenstadt, Theresianum

INTERNATIONALE GASTSPIELE 2009
18.05.09 - Znojmo (Tschechien), Gymnázium Dr. Karla Polesného
19.05.09 - Baja (Ungarn), Ungarndeutsches Bildungszentrum
20.05.09 - Pécs (Ungarn), Valeria-Koch-Bildungszentrum
21.05.09 - Kecskemét (Ungarn), Bolyai János Gymnasium
26.05.09 - Deutsch-österreichische Kulturtage in Bihac (Bosnien - Herzegowina), Kulturzentrum
29.05.09 - Sarajewo (Bosnien - Herzegowina), Druga gimnazija

22.09.09 - FSLE Großlobming - St. Martin

15.04.10 - HS Mattersburg, Kulturzentrum
17.05.10 - Eisenstadt, HAK

INTERNATIONALE GASTSPIELE 2010
19.05.10 - Goethe-Institut Sofia (Bulgarien)
20.05.10 - Goethe-Institut Sofia (Bulgarien)
24.05.10 - Österreichische Kulturtage in Vrsac (Serbien), Nationaltheater "Sterija"
25.05.10 - Unsere 50. Vorstellung !Belgrad (Serbien), Jugendtheater "Dadov"

31.01.11 - HLW 10 - Reumannplatz 3

INTERNATIONALE GASTSPIELE 2011
29.03.11 - Sliven (Bulgarien), Kulturhaus "Zora"
11.04.11 - Zagreb (Kroatien), XVIII.Gymnasium
12.04.11 - Osijek (Kroatien), Europa Kino
14.04.11 - Gyula (Ungarn), Burgtheater (Várszínház)
02.07.11 - Festival zusammenspiel - Miteinander leben gestalten Szekszárd (Ungarn), Deutsche Bühne Ungarn

Berichte: Der Standard
D-Funk, Kroatien

Irgendwo in einer europäischen Großstadt...
Stiefelabsätze donnern über das Pflaster, die Schreie der Demonstranten schwellen an und schwellen ab. Ein junger Mann stürmt freudig in eine kleinbürgerliche Küche. Stolz zeigt er der Frau, die das schon mehrmals aufgewärmte Essen anrichtet, seine neue rote Fahne. Er erzählt von den anerkennenden Worten seiner Freunde. Aus ihm würde noch einmal ein richtiger Soldat!
Diese "Freunde", ein paramilitärischer Stoßtrupp, haben das Geschäft des alten jüdischen Nachbarn angezündet – und er darf zu ihnen gehören!
Oder treiben sie nur ein diabolisches Spiel mit ihm? Denn Helver, der junge Mann, ist geistig behindert…

Er ist nicht ihr Mann, sondern ihr Ziehsohn. – Nach der Geburt eines schwerbehinderten Kindes war ihre Ehe zerbrochen. Da der Ehemann das Kind ablehnte, hatte sie es in eine Anstalt gebracht, um die Beziehung zu retten. In der Zwischenzeit aber war er von einem Geistlichen umgestimmt worden und wollte das entstellte Mädchen in die Arme nehmen. Weil sie das Kind ausgesetzt hatte, verließ er sie ein zweites Mal und diesmal für immer. Ihre Versuche, das Kind zurückzuholen scheiterten, es war bereits gestorben bzw. der Euthanasie zum Opfer gefallen. Schließlich war sie in einer Anstalt dem zurückgebliebenen Helver begegnet und hatte ihn als Ersatz für Kind und Mann aufgenommen.

„Ich würde gerne... daß du mich so anlächelst wie den Herrn auf dem Foto, den Herrn Ehemann... [...] daß wir uns so mit den Köpfen berühren... wie du und dieser Mann auf dem Foto... [...] Wenn du jetzt hier so ein Mädchen hättest... so ein Äffchen, wie du erzählt hast, da würde ich dich nicht anschreien, und sie würde ich auch nicht anschreien... Spielen würde ich mit ihr... [...] Weil, du... Du bist nicht meine Mammi... Und auch nicht so eine... meine Frau... Aber du bist ein bißchen meine Mammi und... und ein bißchen so eine Frau.... Weil, jetzt, jetzt muß ich ein bißchen lachen und ein bißchen weinen, und das heißt, das ich dich sehr, sehr... daß ich... daß Helver...“

Die ungewöhnliche und berührende Geschichte von „Helvers Nacht“ wurde im März 1999 in der polnischen Theaterzeitschrift «Dialog» zum ersten Mal veröffentlicht und in einer Szenischen Lesung am Zürcher Theater Spektakel 2000 erstmals präsentiert. Im Herbst 2000 erfolgte an zwei polnischen Theatern gleichzeitig die Uraufführung. Seither zählt es zu den meistgespielten Dramen Polens. Es wurde in zehn Sprachen übersetzt und bereits in Bulgarien, Deutschland, Luxemburg, der Slowakei, Litauen, Italien, im ehemaligen Jugoslawien und in Großbritannien aufgeführt.

Jaroslaw Swierszcz, der unter dem Pseudonym Ingmar Villqist veröffentlicht, wurde 1960 in Krolewska (Oberschlesien, Polen) geboren. Er ist Kunsthistoriker, Professor an der Kunstakademie in Warschau und Gründer des freien Autorentheaters Kricket in seiner Heimatstadt. Er zählt zu den populärsten Dramatikern Polens.

Rezension

Ich finde, dass das Stück jeden fesselt, der es liest oder sieht. Es zeigte wie ein behinderter junger Mann, der sich im seelischen Stadium eines Kindes befindet, mit der Situation, dass er nicht ganz ernst genommen wird, umzugehen versucht. Seine Pflegemutter behandelt ihn wie ein kleines Kind, was an Helver nicht narbenlos haften bleibt. Ihn bedrängt das Gefühl auch „große“, alltägliche Aufgaben meistern zu können, meistern zu dürfen. Er weiß, dass er es kann, aber seine Umwelt scheint ihm solche kleinere Aufgaben, wie das Bezahlen mit Kleingeld nicht zuzutrauen. Ihn beschleicht das Gefühl eines Außenseiters und seine Umwelt gibt ihm deutlich zu verstehen, dass er anders ist. Ich denke, dass es auch heute vielen Behinderten ähnlich wie Helver geht und finde dieses Stück deshalb sehr gut, weil sich nun vielleicht einige Menschen mehr über die Situation und die Gefühle von Behinderten Gedanken machen.

Die Intensität und Eindringlichkeit des Stückes wurde durch die Stimmungen im Publikum nur noch verstärkt. Totenstille während des Stückes machte die fesselnde Wirkung des Stückes deutlich. Ein akustischer Effekt, der sich nach einer Explosion und klirrenden Fensterscheiben anhörte, ließ alle Zuhörer vor Schreck erstarren. Die Explosion überlieferte das Gefühl, ganz nah zu sein. Allein dieser Effekt verlieh den Zuhörern das Empfinden, ein Teil des Stückes zu sein. Tosender Applaus zum Ende des Theaters galt den überragenden Leistungen der Schauspieler. „Helvers Nacht“ ist es wert gesehen zu werden.

Ramona Mennel, 3.HAK, Bezau (2007)

VON DER NS-EUTHANASIE ZUR PRÄNATALEN DIAGNOSTIK

Die Tötung geistig behinderter Menschen wird in der Regel mit der nationalsozialistischen Euthanasie gleichgesetzt. Zu bedenken ist aber, dass das NS-Regime Gedankengut zu bestialischen Gesetzen formulierte, das sich seit Thomas Robert Malthus (1766–1834) und Charles Darwin (1809–1882) weltweit verbreitet hatte und vom Gros der wissenschaftlichen Eliten anerkannt wurde. Auch der austromarxistische Wiener Stadtrat für Soziales und Gesundheit, der Anatomieprofessor Julius Tandler, Gründungsmitglied der „Österreichischen Gesellschaft für Bevölkerungspolitik“ (1907), sprach sich in den 1920ern vehement für eine eugenische Indikation (Straffreiheit bei Abtreibung wahrscheinlich erbkranker Föten) aus, um im Sinne der Rasseveredelung die Geburt von „Minusvarianten“ zu verhindern, die der Volkswirtschaft nur Aufzuchts- bzw. Pflegekosten verursachen, diese aber niemals durch eine Teilnahme am Arbeitsprozess refundieren können.

Heute ist jede Schwangere mit vorgeburtlichen Untersuchungen konfrontiert:
- Im Interesse der werdenden Mütter und Väter oder der Medizin?
- Im Interesse der Volksgesundheit oder der Volkswirtschaft?

„Pränatale Diagnostik fordert zur Bewertung menschlichen Lebens heraus . Menschenwürde und Menschenrechte können aber weder erworben, noch abgesprochen werden. Sie sind unantastbar und unteilbar. Es darf Menschen mit Behinderungen nicht abgesprochen werden, dass ihr Leben ebenso sinnerfüllt ist, wie das von nichtbehinderten Menschen.“
www.dielebenshilfe.at


www.alton.at/juliane/julog/leistungen
www.alton.at/juliane/julog/handelt

Nobody is perfect

Der nach 1989 verloren geglaubte Geist der Utopie kehrt wieder in Gestalt einer neuen Technikgläubigkeit. Was hat es für gesellschaftliche Folgen, wenn der Mensch und seine Gesundheit als technisch herstellbares oder optimierungsfähiges Produkt verstanden werden? Die Gefahren, die von einem technizistischen Medizinverständnis für den Einzelnen und die Gesellschaft ausgehen, sollten nicht unterschätzt, aber auch nicht apokalyptisch überzeichnet werden. Die Idee des Menschen nach Maß muss schon aus wissenschaftlich-technischen Gründen an der Überkomplexität der Wechselwirkungen der menschlichen Gene scheitern.

Streng genommen gibt es wohl keinen Menschen ohne irgendwelche Gendefekte, auch wenn diese nicht immer zu einer gravierenden Krankheit führen müssen. Die Unvollkommenheit, welche zum Menschsein gehört, zeigt sich also schon im molekulargenetischen Bereich. Wollte man die Grenze aufgrund von genetischen Kriterien ziehen, so müsste man sagen, dass letztlich alle Menschen behindert sind. Gerade aus Sicht der Genetik gilt: Nobody is perfect. Weil es aber im Verlauf der Zellteilungen, die unser Körper im Laufe unseres Lebens durchläuft, immer wieder zu Mutationen kommt, bleibt auch die Idee, einen genetisch vollkommenen Menschen züchten zu können, eine Illusion.

Die britischen Mediziner David Melzer und Ron Zimmern warnen zu Recht vor der Gefahr, daß Menschen aufgrund von Gentests medikalisiert und für krank erklärt werden. „Indem die genetische Wissenschaft zeigt, dass das Genom eines jeden unterschiedlich ist und wir alle in gewisser Hinsicht ‚abnorm' sind, zwingt sie uns auf einer fundamentalen Ebene dazu, das Konzept der Normalität als solches zu überdenken.“

Unbestritten eröffnet die Genomforschung auf den Gebieten der Diagnostik und der Therapie neue Möglichkeiten, die ethisch akzeptabel sind. Es muss aber allen Tendenzen entgegengewirkt werden, die einer eugenischen Mentalität in der Gesellschaft Vorschub leisten und ein Klima der Diskriminierung gegenüber Behinderten und ihren Angehörigen erzeugen. Es gibt keine Pflicht zur Vollkommenheit, sondern im Gegenteil das Recht auf Unvollkommenheit. Schon genetisch be trachtet ist der Mensch ein unvollkommenes Wesen. Daß er es auch bleiben darf, ist sein zu verteidigendes Recht.

Ulrich H.J. Körtner
Der Autor ist evangelischer Theologe und Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien.

Ohne Frau ist kein Leben

Das ist der Titel eines der Bücher der unvergessenen Philosophin Gerburg Treusch-Dieter.
Sie sagt: seit die Befruchtung außerhalb des weiblichen Körpers stattfinden kann, ist die Beziehung zwischen Mutter und ungeborenem Kind bzw. der Frau zu ihrem Körper eine andere geworden.
Mehr denn je ist die Kontrolle über die Fruchtbarkeit und die „Leibesfrucht“ an ein übergeordnetes System abgegeben. An die Stelle der Kirche sind der Staat und die Medizin getreten.
In einer scheinbaren Entscheidungsfreiheit lebt die Frau verängstigt - in der altvertrauten Schuldhaftigkeit - wenn ihr Körper nicht funktioniert, Krankheiten oder Fehlbildungen hervorbringt .
Das Versprechen auf Sicherheit ist von der Medizin zwar gegeben, aber nicht einlösbar.
Selbst die bemühteste partnerschaftliche Beratung kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß Frauen mit den entsetzlichsten Entscheidungen oft allein gelassen sind bzw deren Folgen selbst zu tragen haben.
Wir fürchten das Risiko wie wir den Teufel im Mittelalter gefürchtet haben.
Und so entsteht auch eine neue Angst vor der Geburt als logische Konsequenz.
Es sind nach wie vor die Frauen, die sich um alle kümmern, die nicht der Norm unserer Gesellschaft entsprechen,
aber immer weniger.
Selbst verändert durch die Anforderungen des Berufslebens einer patriarchalen Gesellschaft haben wir uns eines Teils unseres Mitleidsvermögens und unserer Fürsorglichkeit entledigt.
Was Männer davon nicht ergänzen fehlt in unserem Zusammenleben nun völlig.

Dr.Eva Thurner
Gynäkologin in der Frauengesundheitspraxis Nussdorferstrasse
Leiterin der psychosomatischen Frauenambulanz im Krankenhaus Korneuburg
www.fgz-dietrotula.at